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Aileen Laska
Gründerin
Restauratorin
„Die Liebe zu alten Dingen war für mich ausschlaggebend, Restauratorin werden zu wollen, und da es in diesem Berufsfeld nur wenige feste Stellen gibt, habe ich die Selbstständigkeit von Anfang an als Chance begriffen“
Aileen Laska machte sich 2006 im Alter von 28 Jahren im brandenburgischen Altlandsberg in der Nähe von Berlin als Restauratorin selbstständig / Hauptsächlich für Privatkunden verhilft sie alten Möbeln zu neuem Glanz / Freiberuflichkeit erleichtert das Zusammenspiel von Familienleben und Beruf
Geschichten erforschen, eintauchen in frühere Zeiten und handwerklich arbeiten – fragt man Aileen Laska danach, was sie an ihrem Beruf als Restauratorin begeistert, ist ihr ihre Leidenschaft deutlich anzumerken: „Ich liebe alte Dinge und es macht mir einfach eine große Freude, Möbel aufzuarbeiten und so zu erhalten. Ich habe schon als Jugendliche gerne auf Dachböden und Trödelmärkten gestöbert.“ Deshalb ist für die gebürtige Eberswalderin nach der Schule auch völlig klar, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchte. „Ich wusste, ich WILL Restauratorin werden“, sagt die heute 32-Jährige und lacht. Dieses sehr nachhaltige Bekenntnis ist auch notwendig, denn die Auslese in der Branche ist hart. „Bevor ich mich um einen Studienplatz bewerben konnte, musste ich ein zweijähriges Vorpraktikum vorweisen“, erklärt die Kunsthandwerkerin. Das absolvierte sie in der Fachwerkstatt für Restaurierung und Konservierung von Albrecht Schoder in Rheda-Wiedenbrück und bewirbt sich anschließend an der Fachhochschule Potsdam. Die Konkurrenz ist groß, die Auslese hart, denn in Potsdam gab es damals pro Jahrgang etwa 20 Studienplätze, lediglich sieben davon in der von Aileen Laska favorisierten Holzrichtung. „Ich bin Praktikerin, mag den Werkstoff Holz und arbeite gerne mit dem Werkzeug“, sagt sie. Deshalb lässt sie sich auch nicht entmutigen, als sie bei ihrer ersten Bewerbung leer ausgeht, macht ein zweites Praktikum in der Restaurierungswerkstatt „akanthus“ von Eberhard Roller in Berlin und nimmt einen neuen Anlauf. Im Herbst 2000 bekommt sie schließlich den ersehnten Studienplatz für „Konservierung und Restaurierung von Objekten aus Holz“. „Wenn man erst einmal spürt, dass man wirklich auf dem Weg zum Traumberuf ist, dann bleibt man auch dran“, meint die Gründerin.
Freiberuflichkeit ist für Restauratoren eher die Regel denn die Ausnahme
Aileen Laska nimmt ihr Studium mit der Perspektive auf, dass es eher unwahrscheinlich sein wird, im Traumberuf später einmal eine Festanstellung zu bekommen. „Für Restauratoren gibt es sehr wenige Stellen, beispielsweise in Museen oder bei öffentlichen Institutionen. Deshalb war mir von Anfang an klar, dass es kaum eine Alternative geben würde als mich nach dem Abschluss selbstständig zu machen“, erklärt die Freiberuflerin. Eine Perspektive, die die junge Frau nicht abschreckt, sondern motiviert, an der Fachhochschule so viel Berufs-Know-how wie möglich zu erwerben. So macht sie ihr Praxissemester in der Restaurierungswerkstatt Schloss Mosigkau der Kulturstiftung DessauWörlitz und arbeitet in der vorlesungsfreien Zeit bei verschiedenen Restauratoren und Projekten mit. Der Umgang mit verschiedenen Materialien wie Holz Metallbeschlägen, Oberflächen- und Polstermaterialien fasziniert die Studentin dabei ebenso wie das Eintauchen in die Kunstgeschichte: „Ich liebe die historischen Bezüge, die mit dem Restaurieren verbunden sind. Deshalb wäre ein reiner Handwerksberuf wie beispielsweise die Tischlerei nicht das Richtige gewesen.“ Im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersucht sie einen zur Durchgangstür umgebauten Schrank der Spätrenaissance, der sich im Besitz des Eberswalder „Museum in der Adler-Apotheke“ befindet und verbindet hier ihr kunstgeschichtliches Interesse mit dem praktischen Handwerk.
„Eine Selbstständigkeit im Handwerk bietet für qualifizierte Frauen große Zukunftschancen. Gerade in eher spezialisierten Bereichen, in denen gute Fachleute rar sind, es aber auch nur ein geringes Stellenangebot gibt, haben Gründerinnen die Möglichkeit, sich ein Arbeitsfeld zu erarbeiten und zu gestalten, das ihren persönlichen Neigungen und Zielen entspricht. Die bundesweite gründerinnenagentur als einziges bundesweites Service- und Kompetenzzentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen über alle Branchen und Phasen der Existenzgründung und des Unternehmensausbau steht angehenden Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen mit ihren Regionalverantwortlichen in allen Bundesländern als Ansprechpartnerin vor Ort zur Verfügung, um grundlegende, die Selbstständigkeit betreffende Fragen zu klären“, so Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga).
Unternehmensgründung und Familienplanung gehen Hand in Hand
Für Aileen Laska ist von Anfang an klar, dass die Gründung einer eigenen Werkstatt sich mit ihrem Wunsch, eine Familie zu gründen, vereinbaren lassen muss, denn sie und ihr Mann wollen auf jeden Fall Kinder. Ende 2004, die Restauratorin hat ihr Studium beendet, zieht das Paar nach Altlandsberg, rund 40 Kilometer von Berlin im Brandenburgischen, und die junge Frau bekommt ihr erstes Kind: „Vom Timing her war das perfekt, denn um ein Geschäft zum Laufen zu bringen, braucht man seine ganze Kraft. Deshalb habe ich mich entschieden, erst nach einem Jahr Elternzeit mit dem Aufbau zu beginnen.“
Im Frühjahr 2006, ihre Tochter ist inzwischen ein Jahr alt und wird von einer Tagesmutter betreut, nimmt die 28-Jährige die Gründung in Angriff. Mit Hilfe der Stadtverwaltung findet sie auf dem Gewerbehof eines Metallbau-Unternehmens zwei Räume, in denen sie ihre Werkstatt einrichtet. Beratungsmöglichkeiten nutzt sie im Vorfeld nicht, denn da sie als Freiberuflerin am Markt agieren kann, sind die Einstiegsformalien gering. „Ich bin da sicherlich sehr blauäugig herangegangen, aber im Studium hatten wir auch Vorlesungen zu den wirtschaftlichen Aspekten der Restauratorentätigkeit. Mein Mann ist Diplom-Betriebswirt und meine Schwiegereltern haben ein Unternehmen, so dass ich bei Fragen immer gute Ansprechpartner in der Familie hatte“, erzählt die Kunsthandwerkerin. Da sie sich im Laufe des Studiums bereits eine kleine Arbeitsausrüstung angeschafft hat, benötigt sie keine größeren finanziellen Mittel, um als Freiberuflerin zu starten. Ihre Strategie: Die Gewinne, die das Geschäft in der Anfangszeit abwirft, reinvestieren und so die Werkstatt Stück für Stück weiter ausbauen.
„Da Kleingründungen in der Regel ohne großen formalen Aufwand zu bewerkstelligen sind, ist der Einstieg für Freiberuflerinnen auch im Handwerksbereich meist leichter zu bewerkstelligen. Dennoch empfiehlt es sich, von den bestehenden Beratungsangeboten Gebrauch zu machen, da mit Hilfe professioneller Ansprechpartner mögliche Fallstricke, die sich bisweilen erst im Laufe der Geschäftstätigkeit zeigen, vermieden werden können. Zudem ist eine spätere Expansion ja nie ausgeschlossen. Im Netzwerk der bundesweiten gründerinnenagentur stehen mehr als 1.700 Expertinnen und Experten aus Gründungsberatung und -förderung zur Verfügung, die angehende Unternehmerinnen bei ihren ersten Schritten am Markt beraten und ihnen auch helfen, eine passende Finanzierung zu finden“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.
Aller Anfang braucht seine Zeit und PR und gute Kontakte sind alles
Pünktlich zum Start erscheint im Stadtmagazin ein Artikel der Altlandsbergerin, in dem sie ihre Arbeit vorstellen kann. Darüber hinaus führt die Gründerin sich und ihre Werkstatt beim jährlichen Stadtfest ein, präsentiert dort kleinere Restaurierungsarbeiten und zeigt mit ihrer Mappe, was sie für die Liebhaber von Antiquitäten und alten Sammlerstücken tun kann. „Ich war da sehr enthusiastisch, denn die Leute waren sehr interessiert, doch der Rücklauf an Aufträgen war anfangs nicht sonderlich groß“, erzählt die 32-Jährige. Trotz der Nähe zur Hauptstadt orientiert sich die Gründerin mit ihrem Angebot lieber in der Region, da sie aus ihrer Praktikantinnenzeit nur allzu gut weiß, dass der Berliner Markt recht gesättigt ist. Zwar hat sie Kontakte zu einigen Berliner Museen und übernimmt bisweilen auch öffentliche Aufträge – so restaurierte sie für das Eberswalder Museum eine Kinderwiege aus der Zeit des Biedermeier -–, doch ihr Hauptaugenmerk gilt Privatkunden aus dem Berliner Umland, die Erbstücke oder Fundstücke vom Trödelmarkt aufarbeiten lassen wollen. Eine Zielgruppenausrichtung, die sich nicht zuletzt auch am Zeitbudget einer Unternehmerin, die zugleich auch Mutter ist, orientiert, denn obwohl sich Aileen Laska bis zur Geburt ihrer zweiten Tochter im Herbst 2009 voll in der Werkstatt engagiert, gibt das Familienleben den Takt vor.
Die Restauratorin knüpft Kontakte zu anderen Handwerkern, mit denen sie bei anfallenden Arbeiten in Bereichen, die nicht in ihre Kompetenz fallen, kooperieren kann, und weitet ihre Werbeaktivitäten aus. Ein regionaler Kunstmarkt verschafft ihr größere Aufmerksamkeit und in der Folgezeit erhält sie immer mehr Kundenanfragen. Wenn der Lack einer antiken Kommode beschädigt ist, bringt Aileen Laska das gute Stück wieder auf Hochglanz, ersetzt verloren gegangene Schlüssel und Beschläge oder verleimt wacklige Stühle neu. Einen Stuhl wieder auf Vordermann zu bringen, kostet je nach Zustand zwischen 100 und 200 Euro – nach oben hin sind den handwerklichen Künsten der Freiberuflerin eigentlich nur die Grenzen gesetzt, die ihnen das Budget der Kunden auferlegt.
Eine Restauratorin steht ihre Frau
Als Frau hat Aileen Laska keinerlei Probleme, in der Branche Fuß zu fassen, denn gerade im Feld der Holzrestaurierung sind inzwischen rund 50 Prozent der Absolventen Frauen und prägen die Branche nicht unwesentlich mit. „Manche männliche Kunden fragen mich zwar, wie ich als ‚zartes Persönchen’ mit größeren Möbelstücken zurecht komme, aber letztlich zählt das Ergebnis und das überzeugt“, sagt die Restauratorin selbstbewusst. Durch die Empfehlungen ihrer zufriedenen Kunden hat sich die Gründerin inzwischen einen Namen gemacht und ist für viele Liebhalter alter Möbelstücke im Osten Berlins die erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, dem Holz neues Leben einzuhauchen.
Die Etablierung des Geschäfts harmoniert mit dem familiären Timing der Gründerin, denn im Spätsommer 2009 kündigt sich ihre zweite Tochter an. „Das erste Halbjahr lief wirklich hervorragend, so dass ich mir einen finanziellen Puffer schaffen konnte, mit dem ich die Elternzeit überbrücken werde“, so die vorausschauende Unternehmerin. Bis zum Herbst 2010 liegt ihr Schwerpunkt ganz klar auf dem Familienleben, doch damit der Draht zu den Kunden nicht abreißt, hat sie sich um eine Übergangslösung gekümmert: „Ich besuche auch jetzt, wo ich mich hauptsächlich um meine jüngste Tochter kümmere, regelmäßig Kunden und nehme Aufträge an. Für die Werkstatt habe ich einen pensionierten Kunsttischler, der seinerzeit für einen Restaurator in Berlin gearbeitet hat, auf 400-Euro-Basis eingestellt. So kann das Geschäft, wenn auch in kleinerem Rahmen als zuvor, weiterlaufen, und ich bemühe mich bereits um längerfristige Aufträge, die ich dann ab September wieder selbst abwickeln werde.“ Bei ihrem Arrangement zwischen Werkstatt und Wickeltisch ist der 32-Jährigen ihr Mann, der sich um die beiden Töchter kümmert, wenn die Restauratorin auf Kundenterminen ist, und der ihr an den Wochenenden den Rücken freihält, damit sie auch einmal ein paar Stunden in die Werkstatt kann, eine sehr große Hilfe.
„Für Handwerkerinnen, die berufliche Ambitionen und familiäre Wünsche in Einklang bringen möchten, bietet die Selbstständigkeit gute Optionen für die eigene Flexibilität, denn das eigene Unternehmen lässt sich auf die persönlichen Bedürfnisse hin, entsprechend des für die Arbeit zur Verfügung stehenden Zeitbudgets planen und aufbauen und nicht zuletzt dann, wenn die Kinder nicht mehr rund um die Uhr Betreuung brauchen, auch ausbauen“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.
Aileen Laska ist zuversichtlich, dass ihr Geschäft durch diese Strukturen auch während der Elternzeit weiter läuft, und für die Zukunft, wenn beide Töchter tagsüber von einer Tagesmutter beziehungsweise in der Kita betreut werden, hat sie bereits Pläne. So sucht sie mit ihrem Mann gerade nach einem Haus, in dem sie auch ihre Werkstatt unterbringen kann. „Mit einer größeren Werkstatt könnte ich es mir auch erlauben, später Praktikanten auszubilden und das Geschäft zu erweitern. Alles in allem bin ich wirklich stolz, wie sich die Dinge bisher entwickelt haben“, sagt die Freiberuflerin zufrieden.
Zur Unternehmenswebsite: www.aileen-laska.de
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